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FK-Oberberg: Dumm – Dümmer – Denglisch!
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- Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Januar 2012 22:15
“Am Wochenende sollten wir in diesen Club gehen, da ist ein ganz tolles Event. Ziemlich cool. Um bis zum Ende durchzuhalten, kippen wir uns einfach zwei oder drei Energy-Drinks rein. Ich sag auch allen Bescheid, entweder über das Handy oder die Community, wo sie alle als User angemeldet sind. Und versuch ja nicht einen One-Night-Stand zu haben, denn deine Freundin bekommt ja schließlich ein Baby …”
Solche Gespräche, oder zumindest sehr ähnlich, hat jeder schon mal gehört. Und große Verständnisschwierigkeiten tauchten da auch wahrscheinlich nicht auf. Das ist doch schließlich die deutsche Sprache, oder nicht?
Viele Anglizismen haben sich mittlerweile so in unseren Alltag eingeschlichen, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen: Sie sind uns teils so vertraut, dass uns die rein deutsche Sprache irgendwie fremd erscheint.
Wer spricht denn noch von “Säugling” statt “Baby”, schreibt einen Bericht am “Rechner” statt am “Computer” und erntet keine komischen Blicke, wenn er ein “schnell zubereitetes Essen” in der Mittagspause statt “Fast Food” genießt?
Das Denglische ist auf dem Vormarsch. Es modernisiert die deutsche Sprache, es macht sie hip und trendy – und amerikanisch.
In den vergangenen Jahrzehnten etablierten sich diverse englische Begriffe, gerade aus dem Bereich Innovation und Technik, in unserer Sprache, da es vermeintlich keine deutschen Äquivalente gab. Das Englische ist die neue lingua franca, die neue Verkehrssprache, die jeder versteht, jeder spricht und jede Neuerung, die über den großen Teich zu uns rübergeschwappt kommt, gilt als “must-have” und “lifestyle”.
Zwischen Burgerlocations und Smartphones stecken wir direkt im Prozess der Amerikanisierung – und unsere Sprache spiegelt das genau wider.
Mittels Sprache organisieren wir unsere Welt, wir referieren auf Dinge, geben wieder, was um uns herum geschieht und schaffen Verständnis in der zwischenmenschlichen Kommunikation – durch das Denglisch amerikanisieren wir uns selbst, scheinbar.
Aber viel mehr noch: Wir scheinen in diesem Prozess so dermaßen gefangen zu sein, dass wir irgendwo zwischen einer zwanghaften Verballhornung des Deutschen und des Englischen dümpeln, die zum Teil wenig mit den ursprünglichen Sprachen gemein hat.
Was denn nun ein Handy ist, versteht der Amerikaner mit seinem “cell” nicht, warum eine Oldtimer-Fahrt nichts mit einem Ausflug des Altersheims nebenan zutun hat schon gar nicht und auch die Werbetafel für den praktischen “Body Bag” in der Taschenabteilung eines Kaufhauses wird ihm mehr einen Anflug von Entsetzen als Kauflust bescheren.
Das Denglische wird viel mehr zu einem Zwang, der nahezu in das Groteske gleitet und mit vermeintlicher Weltoffenheit und Multikultur nur noch am Rande zu tun hat. Vielmehr ist es ein Ausschlachten einer fremden Sprache: Englisch Marke Eigenbau und die Aufgabe der eigenen Identität. Von Austausch kann da nicht mehr sprechen.
Das Denglische macht uns zu Sprechern der zweiten Klasse, da wir uns bestenfalls stümperhaft und schlimmstenfalls falsch ausdrücken, und das sogar bilingual.
Aber auch deutsche, nicht denglische Begriffe werden zum Opfer dieser Verkümmerung. Wir hangeln uns dilettantisch an eingedeutschen Begriffen entlang und keiner weiß eigentlich, ob es nun “gedownloadet” oder “downgeloadet” heißt. Dass wir stattdessen einfach “heruntergeladen” sagen könnten, kommt den meisten gar nicht in den Sinn.
Das amerikanisierte Deutsch beschert uns außerdem noch diverse Rechtschreib- und Syntax-Fehler. Die sogenannten Deppenlehrzeichen, die ihren Ursprung in den getrenntgeschriebenen Komposita des Englischen haben, schleichen sich gerne mal in Texten ein, die den Lesefluss sehr hemmen und sogar Bedeutungen verändern können. Bestes Beispiel sind da die Krankenschwestern, die sich um die kranken Schwestern kümmern. Ähnlich verhält sich es mit dem Deppenapostroph, das im Englischen notwendig, aber im Deutsche schlichtweg falsch ist. Trotzdem sieht man heute immer wieder “Tina’s Kneipe” oder noch schlimmer (und auch im Englisch falsch) die Pluralbildungen wie “zwei Drink’s”. Da sollte schon jedem Grundschüler ein kalter Schauer über den Rücken laufen.
Zuletzt haben sich auch diverse Ausdrücke in unsere Alltagssprache eingeschlichen, die eins zu eins aus dem Englischen übersetzt wurden. Etwas kann keinen Sinn machen, aber einen Sinn haben oder ihn ergeben, oder neue Filme erscheinen nicht “in 2013″, sondern einfach “im Jahr 2013″.
Sprache, egal welche, war und ist stets ein lebendiges Konstrukt und sie ist einem stetigen Wandeln unterlegen. Das moderne Hochdeutsch ist nicht identisch mit den Liedern von Walther von der Vogelweide, Wörter kommen und gehen, verändern sich. Manche mögen dieses Argument gerne für das Denglische aufbringen, aber Sprachwandel ist nicht gleich dem Sprechen einer anderen Sprache.
Selbstverständlich benutzen wir täglich Wörter, die aus anderen Sprachen adaptiert wurden, wie die Photographie aus dem Griechischen, Prozent aus dem Lateinischen oder das Restaurant aus dem Französischen. Dennoch muss man hier klar unterscheiden, ob ein fremdes Wort eine Sprache ergänzt oder sie verdrängt. Mit der Erfindung des Telefons wurde ein neuer Begriff geschaffen und erleichterte uns die Verständigung, wenn wir von dem Ding mit dem Hörer und der Wählscheibe sprachen, aber wenn der Einkaufsbummel plötzlich zur Shoppingtour wird, verkompliziert das eine Unterhaltung nur unnötig, da Kenntnisse in zwei Sprachen benötigt werden, um dieser voll und ganz folgen zu können. Rund 80 Prozent der Anglizismen gelten als verdrängend und viele Begriffe der eigenen Sprache scheinen unwiederbringlich im Vergessen zu verschwinden – wie hanebüchen!
Sprache ist vielmehr unsere eigene Identität: Nur durch sie bringen wir Gedanken und Gefühle zum Ausdruck und können zeigen, wer wir sind. Sie ist ein komplexes Konstrukt der kollektiven Persönlichkeit eines Volkes und eines unserer wichtigsten Kulturgüter. Sie ist eine Referenz auf die Welt, in der wir uns alltäglich bewegen und die uns innerlich bewegt.
Vielmehr sollten wir darauf achten, dass wir an ihr festhalten, sie pflegen, nicht zu Pseudo-Englisch-Sprechern verkümmern und unsere eigene Identität nicht verleugnen.
Quelle: FK-Oberberg


